„Sporthypnose ist ein hochwirksames, blockadelösendes Instrument für Performer im Sport und Business“
Ob auf dem Wettkampfplatz, im Vortrag vor dem Vorstand oder in Phasen maximaler Belastung: Wenn Leistung gefragt ist, entscheidet vor allem der Kopf. Im Interview erklärt Jeanette Siegenthaler, Co-Geschäftsführerin vom erpse Institut, Ernährungsspezialistin BSc und zert. Hypnose- und ausgebildete Sporthypnosetherapeutin, warum mentale Blockaden echte Leistungskiller sind und wie Sporthypnose Performer:innen helfen kann.
Was unterscheidet Sporthypnose von klinischer Schmerzhypnose oder anderen Hypnoseformen?
Der Fokus der Sporthypnose liegt auf Themen rund um Performance, Regeneration, körperliche Wahrnehmung, innere Blockaden und um die Fähigkeit, Leistung im richtigen Moment abrufen zu können. Das ist ein hochwirksames Instrument: Wenn ich zum Beispiel einen CEO unterstütze, der plötzlich nicht mehr vor seinem Team präsentieren kann, sind die Themen mit dem Sportansatz vergleichbar: Leistungsdruck, innere Blockaden, Angst vor dem Versagen, negative Glaubenssätze. Wenn es um Performer und deren Performance geht, lässt sich vieles aus der Sporthypnose sehr gut adaptieren.
Wer sind „Performer“?
Performer gibt es im Leistungssport, aber eben auch in Unternehmen, auf Bühnen, in Führungsrollen oder in Situationen, in denen Menschen unter Druck funktionieren müssen.
Was blockiert diese Menschen, die eigentlich Druck gewohnt sein müssten, besonders oft?
Leistungskiller sind Ängste, innere Blockaden, negative Selbstgespräche, falsche Überzeugungen, aber natürlich auch ungünstige Routinen oder fehlende Regeneration. Viele Menschen funktionieren nach außen, tragen innerlich aber Muster mit sich herum, die sie ausbremsen. Es sind vor allem negative Muster wie „Ich schaffe das nicht“, „Die anderen sind besser“ und „Ich darf keinen Fehler machen“. Sobald an diesen Ängsten, Blockaden oder negativen Glaubenssätzen gearbeitet wird, ist Hypnose ein sehr wirkungsvolles Instrument.
Geht es in der Sporthypnose vor allem um Wettkampf und in Drucksituationen auf den Punkt liefern zu können – oder auch um Bewegungsabläufe, Schmerzen und Regeneration?
Natürlich spielt Wettkampf eine große Rolle, ebenso wie das mentale Stabilisieren in Drucksituationen. Aber Sporthypnose kann auch helfen, Bewegungsabläufe besser zu automatisieren, Schmerzen zu managen und vor allem die Regeneration zu fördern.
Wie offen ist der Spitzensport und das Management heute für das Thema?
Sehr viel offener, als man von außen vermuten würde. Nur wird darüber meist nicht offen gesprochen. Viele Leistungssportler und Entscheider arbeiten längst mit Mentalcoaching – Hypnose liegt davon gar nicht weit entfernt.
Welche Rolle spielt Hypnose bei Schmerzen und Regeneration?
Eine sehr große. Ich arbeite ja auch mit Schmerzhypnose, und vor allem bei Performern ist die Regenerationsfähigkeit ein zentrales Thema. In hypnotischer Trance kommt das vegetative Nervensystem zur Ruhe. Der Körper gelangt in einen Zustand, in dem Selbstheilung und Regeneration besonders gut unterstützt werden können. Das kennen wir im Grunde auch aus dem Schlaf. In der Trance kann diese Regeneration gezielt gefördert werden. Und wenn Menschen zusätzlich Selbsthypnose lernen, können sie diesen Prozess aktiv unterstützen – zum Beispiel nach Operationen oder in intensiven Belastungsphasen.
Hast du dafür ein konkretes Beispiel?
Wie oben erwähnt, hatte ich gerade einen Mann in der Hypnose, der plötzlich nicht mehr vor seinem Team präsentieren konnte. Er hatte sich bereits krankschreiben lassen aufgrund von Herzrasen, Schweissausbrüchen und Angstzuständen. Nach zwei Hypnosesitzungen konnte er wieder performen und hat eine wichtige Erkenntnis für seine Rolle gewonnen. Das sind für mich unglaublich starke Momente. Da sieht man, was möglich wird, wenn man die richtigen Techniken wählt, mit den Menschen dort arbeitet, wo die Angst oder Blockaden entstehen.
Wie entscheidest du, welche Technik du einsetzt?
Das entscheide ich immer im Vorgespräch und im Verlauf der Hypnose. Ich schaue mir den Menschen, sein Thema und seine Muster an und entscheide dann aus meinem Methodenspektrum, was gerade am besten passt. Genau das ist ja das Schöne: Hypnose ist sehr individuell, kein starres Schema. Schlussendlich hypnotisiert sich der Mensch auch nicht „gegen seinen Willen“, er hypnotisiert sich selber. Er lässt es zu, und ich leite ihn an. Deshalb ist jeder Mensch hypnotisierbar – sofern er bereit ist, sich darauf einzulassen.
Mehr Informationen bei Jeanette Siegenthaler via Mail an js@erpse.ch
